9. Shoah-Gedenkstätte (Mémorial de la Shoah), Boulevard Franklin D. Roosevelt
Die Shoah-Gedenkstätte besteht aus dem Kaddish-Denkmal und der Mauer zum Gedenken an die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus (Mur en souvenir des victimes juives du nazisme), abgekürzt: Mauer der Namen. Die Gedenkstätte befindet sich nahe dem Standort der ersten Synagoge Luxemburgs, die 1823 eingeweiht wurde.
Am 17. Juni 2018 wurde das Kaddish-Denkmal mit einem Staatsakt feierlich eingeweiht. Es erinnert an die Verfolgung, Deportation und Ermordung von Jüdinnen und Juden, die in Luxemburg lebten, sowie an jene, die in den 1930er Jahren nach Luxemburg geflohen sind, um hier Zuflucht zu finden.
Die Skulptur aus grau-rosa Granit ist ein Werk des französisch-israelischen Künstlers Shelomo Selinger. Der 1928 in Auschwitz (Oświęcim, Polen) geborene Selinger hat neun Konzentrationslager und zwei Todesmärsche überlebt. Über seine Skulptur äußerte sich der Künstler folgendermaßen: „Kaddisch ist ein jüdisches Gebet für die Toten, in dem aber kein einziges Wort über den Tod fällt. Ich bin ein laizistischer Mensch, ein ehemaliger Deportierter, Sohn eines Vaters und einer Mutter, die von den Nazis ermordet wurden, genau wie meine kleine Schwester, meine ganze Familie und mein ganzes Volk. Ich habe zuvor noch nie ein Kaddisch-Gebet gesprochen und anhand dieser mir anvertrauten Steine konnte ich mein Kaddisch-Gebet mit Meißel und Hammer in den Granit schlagen.“ (Woxx, 21. Juni 2018)
Die Mauer der Namen wurde am 21. September 2025 im Beisein zahlreicher Gäste aus Politik, diplomatischem Corps sowie von Verwandten von Shoah-Opfern aus unterschiedlichen Ländern eingeweiht. Es handelt sich hierbei nicht um eine Mauer aus Stein, sondern um eine Metallstruktur, die als namentliche Erweiterung des Kaddish-Denkmals gedacht ist.
In der jüdischen Tradition muss der Name des Verstorbenen auf einem Grabstein oder einem anderen physischen Denkmal verewigt werden. Den meisten jüdischen Opfern des Nationalsozialismus wurde jedoch diese letzte Ehre verwehrt. Nur wenige Namen von Juden, die während des Zweiten Weltkriegs vom Nazi-Regime ermordet wurden, sind auf den zahlreichen Kriegsdenkmälern oder Gedenktafeln der luxemburgischen Gemeinden zu finden. Die Idee war daher, den jüdischen Opfern durch ihren Namen wieder eine Identität zu geben und damit dem Willen der Nazis entgegenzuwirken, alle Spuren dieser Menschen für immer auszulöschen.
Die Gedenkwand enthält die Namen von 1.225 jüdischen Opfern des Nationalsozialismus: 1.157 von ihnen fielen dem Judengenozid (Shoah) zum Opfer und 68 kamen während des Zweiten Weltkriegs unter anderen Umständen ums Leben. Die Shoah-Opfer sind entweder direkt aus Luxemburg in Ghettos und Vernichtungslager deportiert worden oder, im Falle derjenigen, die nach dem deutschen Einmarsch in unsere Nachbarländer geflohen waren, aus Frankreich oder Belgien. Ungefähr 700 dieser Menschen wurden im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau ermordet.
Die Mauer der Namen und der Shoah-Gedenkweg in der Stadt Luxemburg sind Initiativen der Luxemburger Vereinigung MemoShoah.