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Zessingen

Geruhsam und idyllisch geht es zu in Luxemburgs flächenmäßig größtem Stadtteil im Südwesten. Kein Wunder, schließlich sind nur 11 Prozent der Fläche des Viertels bebaut.

Der Stadtteil, der weitgehend noch Dorf geblieben ist

Im Jahr 1796 gab es hier gerade einmal 90 Einwohner. Obwohl der Ort, der damals noch als Hamme auf den Karten verzeichnet war, bevölkerungsmäßig winzig war, hatte er seit jeher eine strategische Bedeutung. Zur Römerzeit gab es hier eine Wachstation, die den Zugang zum Alzettetal kontrollierte. Auch die französischen Truppen von König Ludwig XIV. erkannten die strategische Bedeutung von Hamm und errichteten hier 1684 ihr militärisches Zeltlager vor den Mauern der Stadt in der Absicht, die Festung und Luxemburg als Gibraltar des Nordens zu erobern. Erstmals erwähnt wird der Ort Hamm auf einer Kaufurkunde aus dem Jahr 1243.

Die industrielle Revolution

Bedeutung erlangte Hamm vor allem durch seine fünf Mühlen. Zwei industrielle Pioniere von Luxemburg, die Gebrüder Godchaux, verhalfen hier, an den Ufern der Alzette, ab 1835 der luxemburgischen Tuchindustrie zum Durchbruch. Zeitweise arbeiteten mehr als 800 Menschen in den Webereien und ältesten Tuchfabriken des Landes. Da die Gemeinde Hamm durch den Ersten Weltkrieg und den Niedergang ihrer Textilindustrie in Schwierigkeiten geraten war, fusionierte Hamm 1920 mit der Stadt Luxemburg. Heute ist das Hammer Tal, das sogenannte Dällchen, mit seinen Wäldern und steil aufragenden Felsen ein beliebtes Ausflugsgebiet.

An einer der früheren Mühlen befindet sich heute ein Ort der Kunst. Das Atelier op der Schläiffmillen empfängt die Besucherinnen und Besucher bereits im Außenbereich mit zahlreichen Kunstwerken. Eine pinkfarbene Plastik des Künstlers Rafael Springer ist u.a. hier zu sehen und auf der anderen Straßenseite, gleich neben dem Haus des Kanutenvereins, ein senkrecht aufragendes Kanu, das hier künstlerisch umgesetzt wurde.

Ein hoher Schornstein an der früheren Follmühle und Wehre im Flusslauf der Alzette, die der Wasserregulierung dienten, verweisen noch als Relikte auf die Zeit der Industrialisierung.

Tour

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Godchaux-Rundgang

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5076 weiße Grabkreuze

Abgesehen vom Gewerbegebiet gleich nördlich der Dorfkirche, hat sich der Stadtteil seinen dörflichen Charme gröβtenteils bewahrt. Erst 1931 wuchs die Gemeinde durch den Bau von siebzig Einfamilienhäusern rund um die katholische Kirche und drei Jahrzehnte später entstand hier ein Zivilhospiz.

Zur Zeit der aus dem 14. Jahrhundert stammenden Kirche gab es auch ein Kloster in Hamm. Neben der zentralen katholischen Kirche steht ein Wegkreuz, auf dem das Datum 1739 erkennbar ist.

An der Fassade der Kirche weisen zwei Gedenkschilder der American Luxembourg Society auf den Remembrance Day und die amerikanischen Soldaten hin, die im Zweiten Weltkrieg hier ihr Leben verloren haben. Die 5076 weißen Grabkreuze auf dem Militärfriedhof in Hamm weisen heute auf diesen Verlust hin.

Kirchen und Friedhöfe

25.02.2024

Amerikanischer Militärfriedhof

Auf dem amerikanischen Militärfriedhof in Hamm liegen US-Soldaten begr...

Hinweis: Da die einstigen Mühlen und Webereien von Hamm heute im neuen Stadtteil Pulvermühle liegen, finden sich weitere Informationen zur Geschichte der Tuchfabriken, die 1835 ihren Anfang nahm, auf der Webseite zum heutigen Stadtteil Pulvermühle.

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