Elevated Tension – De Lift am Film
Kaum ein architektonisches Element verdichtet filmische Spannung so wirkungsvoll wie der Aufzug. Auf engstem Raum erzwingt er die Nähe zwischen Fremden, hebelt die Bewegungsfreiheit seiner Insassen aus und verwandelt ein alltägliches Transportmittel in einen Ort, an dem Angst, Begehren und Gewalt hervorbrechen können. Im Kino ist der Fahrstuhl daher niemals bloß funktionaler Zwischenraum, sondern Brennglas psyischer und sozialer Spannungen.
Bereits in Fritz Langs Metropolis. (1927) symbolisiert der Aufzug die Kluft zwischen der unterirdischen Welt der Arbeiter und den Privilegierten der oberen Etagen – eine vertikale Ordnung, die das Kino seither in immer neuen Varianten imaginiert hat. Louis Malles Ascenseur pour l'échafaud. (1958) macht den steckengebliebenen Lift zum Schicksalsraum eines Mörders, Brian De Palmas Dressed to Kill (1980) inszeniert ihn als Schauplatz plötzlicher Gewalt. In Dick Maas’ De Lift (1983) wird der Aufzug zum übernatürlich-monströsen Antagonisten, während er in Die Hard (1988) und Speed (1994) der Logik des Actionkinos entsprechend eingesetzt wird. Andreas Kleinerts Abwärts (1984) wiederum nutzt die erzwungene Enge zwischen festsitzenden Passagieren, um soziale Fassaden und Klassengegensätze freizulegen.
Der Vortrag untersucht die filmische Faszination dieses vertikalen Transitraums und analysiert, wie das Kino den Aufzug als Dispositiv von Klaustrophobie, Krise und Suspense inszeniert – vom Stummfilm über das Genrekino bis hin zur Werbung, die seine symbolische Aufladung längst auch für sich entdeckt hat.