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Schwarze Spiegel

Schwarze Spiegel

Ein Mensch streift durch komplett leere Landstriche, durch Orte, die offenbar sehr plötzlich verlassen wurden. Ein Atomschlag hat die Menschheit ausgelöscht — das ist gerade mal fünf Jahre her. Nur einer hat überlebt, so scheint es, warum auch immer.

 

Der letzte Mensch läßt sich neugierig durch eine Landschaft treiben, in der sich die Natur den Zivilisationsschrott zurückerobert, und findet trotzigen Spaß darin. Das „Experiment Mensch“, denkt er, sei beendet.

 

Arno Schmidts Erzählung liegt eine luzide These zugrunde: Der vernunftbegabte Mensch wird sich auslöschen, wenn er die Fähigkeit zur Vernunft nicht um ihrer selbst willen verwendet, sondern zu Machtzwecken und mit ausbeuterischen Zielen. Schmidt hatte als Wehrmachtssoldat und Kriegsgefangener die Zerstörungen und Gräuel des 2. Weltkrieges am eigenen Leibe erlebt; Schwarze Spiegel schrieb er 1951 im aufkommenden Kalten Krieg. Seit dessen Ende, dem vermeintlichen „Ende der Geschichte“ (Francis Fukuyama), herrschte Frieden in weiten Teilen Europas. Heute sieht dies anders aus, selbst die latente Angst vor dem Einsatz von Atomwaffen ist auf einmal wieder sehr präsent — neben einer Vielzahl anderer Ängste, Konflikte und Krisenphänomenen.

 

Arno Schmidt, ein gefeierter, dabei viel zu wenig gelesener und unbedingt zu entdeckender Autor, zeichnet in Schwarze Spiegel eine Dystopie im Stile eines posthumanistischen Idylls. Die von ihm entworfene Welt ist zwar menschenleer, wird jedoch umso detailreicher und lebendiger beschrieben. Der Text ist ein zeitloses Gedanken-experiment, das radikal aufzeigt, wohin unser (Nicht-)Handeln führen könnte — und zugleich eine grell komische, sich dem Ende lustvoll und widerspenstig verweigernde literarische Fantasie, die existentielle Fragen aufwirft: Was zerstört den Menschen? Was hält ihn am Leben?

 

Nachdem sie Bernward Vespers Die Reise. Ein Trip letztes Jahr mit Verve auf die TNL-Bühne brachten, nehmen die junge Regisseurin Kathrin Herm und tangentCOLLABORATIONS es erneut mit einem schillernden, hochkomplexen Vertreter der deutschen Nachkriegs-literatur (und ebenso besessenen Tagebuch- und Karteikartenschreiber) auf. Auf sinnliche, musikalische und humorvolle Weise ist auch Schwarze Spiegel als verwegener Trip ohne Rückfahrkarte konzipiert, den man keinesfalls verpassen sollte. Das noch lange nicht beendete „Experiment Mensch“ nimmt seinen Lauf.


Nützliche Informationen

Adresse

Théâtre National du Luxembourg (TNL)
194 ROUTE DE LONGWY
L-1940 LUXEMBOURG

Wann

Datum Uhrzeit
Donnerstag 08/06/2023 20H00 - 21H30
Freitag 09/06/2023 20H00 - 21H30
Sonntag 11/06/2023 20H00 - 21H30
Dienstag 13/06/2023 20H00 - 21H30

Preise

adultes 25 €
jeunes 8 €
Kulturpass 1.5 €

Karte

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